Bei einer Veranstaltung der „Querdenker“ Bewegung in Stuttgart versammelten sich ca. 15.000 Teilnehmer:innen, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu demonstrieren. Die Stadt rechnete mit 2.500 Personen, obwohl selbst die Veranstalter 6.000 angekündigt hatten.

Die Teilnehmer:innen, bestehend aus Esoteriker:innen, Verschwörungsgläubigen, Reichsbürger:innen, Rocker:innen, Neonazis und Menschen aus dem bürgerlichen Spektrum, trugen fast ausnahmslos keine Masken und hielten sich nicht an Abstände.

Trotz der Ankündigungen in vielen Telegram Kanälen zu mehreren Tausenden Stuttgart zu überrennen und sich an keine Auflagen zu halten, waren die Verantwortlichen der Stadt Stuttgart und der Polizei der Meinung, die Corona-Leugner:innen ungehindert laufen zu lassen und sie lediglich mit ein paar Hundertschaften zu begleiten. Dieses Handeln grenzt an Arbeitsverweigerung und ist eine Unverschämtheit allen Menschen gegenüber, die sich seit Monaten im privaten Bereich einschränken müssen. Ein solches Superspreaderevent im aktuellen Lockdown so zuzulassen ist höchst fahrlässig!

Im Gegensatz dazu waren mindestens zwei Hundertschaften in der Innenstadt damit beschäftigt sich am friedlichen Gegenprotest abzuarbeiten. An zwei Stellen in der Stadt kam es zu Protesten, die sich sofort in einem Polizeikessel wiederfanden. Die Polizei vor Ort stellte in einem mehrstündigen Verfahren ca 260 Personalien der Maskentragenden fest und verhängte Platzverweise für die Innenstadt sowie den Cannstatter Wasen. Hierbei scheint es sich um eine EinszuEins Betreuung der Polizei für die Protestierenden gehandelt zu haben.

Diese Maßnahmen der eingesetzten Ordnungskräfte beim Gegenprotest stehen in keinem Verhältnis zur Aufgabenstellung bei den Corona-Leugner:innen.

Tatsächliche Arbeitsverweigerung der Polizei mussten Journalist:innen an diesem Tag erleben. Trotz mehrfacher Aufforderung kamen eingesetzte Beamt:innen auf dem Wasen-Gelände ihrer Pflicht nicht nach die Pressefreiheit zu schützen. Ein Kollege stellt Dienstaufsichtsbeschwerde. Schon früher am Tag kam es zu körperlichen Angriffen auf Pressevertreter:innen, dies war der Polizei bekannt. Ein Team des SWR musste kurz zuvor in der Nähe die Arbeit während einer Liveberichterstattung abbrechen, da sie massiv bedroht wurden und ihre Sicherheit nicht gewährleistet war.

Bis Sonntag Nachmittag wurden bereits 19 Übergriffe auf Journalist:innen am 03.04.21 in Stuttgart dem DJU gemeldet. Den Übergriff auf unser Team noch nicht mitgezählt.

Eine Frau mit Plastikschüsselinstallation auf dem Kopf sprühte Wasser auf uns, aus einer mit „Aerosole“ beschrifteten Sprühflasche. Ihrem Begleiter mit Propeller auf dem Kopf war das noch nicht genug. Er kam unvermittelt auf uns zu und versuchte der Kollegin eine Luftschlange über den Kopf zu stülpen. Dieser Angriff wurde von ihr händisch abgewehrt, was ihn dazu veranlasste uns als „Faschisten“ zu beschimpfen.

Aus der Südpfalz waren auch „Querdenker:innen“ angereist. Die beiden sind in Neustadt und Landau bereits pressefeindlich aufgefallen. In Stuttgart hielten sie an ihrer Gewohnheit fest. „DeeskalationsTeam“. Kein Kommentar an dieser Stelle.

Ebenso war Melanie Fink aus Annweiler (RLP) vor Ort. Sie war Teil der Frauenbustour im Dezember, beherbergte mehrfach Querdenker-Promis. Zuletzt den suspendierten Polizist Michael Fritsch. Mehr zu den Finks im Link:

Ralph Bühler (Nußloch BAWÜ), verhinderter Bürgermeister für die Freie Liste Biblis (HESSEN).

Die Reichsbürger wurden im Vorfeld in Telegramgruppen dazu aufgefordert ihre Fahnen zuhause zu lassen. Dem kamen sie nach und verwendeten dezentere Symbolik wie auf dem Kopf stehende Landesfahnen. Stephan Bergmann, ehem. Pressesprecher von „Querdenken“ und mutmaßliches Gründungsmitglied des extrem rechten Vereins „Primus Inter Pares“ lt. Recherchen des Zeitungsverlags Waiblingen

Mehr zum „St.Georgs-Band“ (orange-schwarz) in folgendem Link:

Schoa-Relativierung durch mehrere Teilnehmer:innen

Soviel also zu „Frieden, Liebe, Freiheit“.

Die Planung der zuständigen Politiker:innen und der Einsatzkräfte ist gerade nach dem Desaster des Polizeieinsatzes in Kassel am 20.03.21 skandalös.